Wohnungslos durch Jobcenter 9

Auf der Ralph-Boes-Unterstützerseite ist ein weiterer Bericht eines von „Wohnungslos durch Jobcenter“ Betroffenen online gegangen.

Der Bericht zeigt einen weiteren der vielen Mechanismen, die Jobcentern zur Verfügung stehen, um Menschen wohnungslos zu machen: Die unzureichende Kostenübernahme. Das Jobcenter hatte nur einen Teil der Mietkosten bewilligt.

Ich zitiere den gesamten, nicht sehr langen Bericht:

„Sehr geehrter Herr Alt

In der Sendung, Wer arbeitet ist der Dumme, des Ersten Deutschen Fernsehens am 4.12.2012 waren Sie neben anderen Persönlichkeiten bei Frau Maischberger als Gast eingeladen.
In der kontrovers geführten Debatte sicherten Sie zum Ende der Sendung Herrn Boes zu, dass niemand im ALG II Bezug seine Wohnung verlieren würde, zudem behaupteten Sie weiterhin, dass niemand im ALG II Bezug jemals Obdachlos werden würde!

Da ich nach einem Arbeitsunfall 2007 meine Arbeit verloren habe, war ich bis zur Aussteuerung Arbeitsunfähig. Zum Zeitpunkt meiner Bedürftigkeit bewohnte ich ein von mir ausgebauten gemietetes Einfamilienhaus in 19230 J.. Durch meine Eigenleistung beim Ausbau wurde ein rechtsverbindlicher Mietvertrag, vor meiner Hilfebedürftigkeit, für 10 Jahre geschlossen. Somit wäre dieser Mietvertrag im Jahr 2013 ausgelaufen. Meine bewilligte Leistung für die Unterkunft und Heizung lag bei 412.-¤, die tatsächliche Miete lag bei 600.-¤. Somit fehlten ca. 188.- ¤ bei den tatsächlichen Kosten zur Miete.

Das JC zahlte dann später nur noch eine dem Mietspeigel angemessene Miete, sodass es zu Mietschulden kam. Ein Antrag auf Übernahme der Mietschulden wurde abgelehnt. So kamen die Mietschulden in den kündbaren Bereich und der Vermieter kündigte den Mietvertrag. Trotz nachgewiesener schriftlich bestätigter intensiver Bemühungen, auch mit Hilfe des Bürgermeisters der Gemeinde P. und der Wohnungsnothilfe Ha., haben wir keine Wohnung gefunden. Gleichwohl wurden wir ohne jemals auch nur für eine Sanktion Anlass gegeben zu haben und während des laufenden Bezuges von ALG II am 27.4.2010 mit Hilfe eines Gerichtvollziehers zwangsgeräumt.

Zudem musste meine Frau durch den Umzug Ihre Anstellung in Teilzeit beim Amt Ha.- Land mit ordnungsgemäßem Arbeitsvertrag aufgeben. Auf Grund der Räumung zogen wir in eine von Freunden, in allerletzter Sekunde aufgetriebene Notunterkunft in E..
Diese Wohnung mussten wir auf Grund von baulichen Mängeln und akuter Gefährdung durch die elektrischen Leitungen wieder verlassen. Diese Umzüge haben den Steuerzahler mehr als 4000.-¤ gekostet, bei dieser Summe geteilt durch die bei der Miete fehlende Summe(188.-¤) hätte ich noch 21 Monate(!) in meiner Wohnung bleiben können. Nach dem Ablauf der 21 Monate wäre der Mietvertrag ohnehin ausgelaufen. Zudem ist meine Frau seinerzeit durch die Umzüge und durch dadurch verursachte nervliche Belastung an Gürtelrose erkrankt.

Nun stellt sich mir zwangsläufig die Frage haben , haben Sie die anwesenden Gäste der Talkrunde und das Millionen Publikum der ARD wissentlich belogen oder wissen Sie tatsächlich nicht wie die Ihnen untergebenen Arbeitsagenturen, mit den Kunden umgehen?

Mit freundlichen Grüßen xxx“

Quelle

Wenn das Jobcenter nur einen Teil der Miete übernimmt, sind Erwerbslose gezwungen, aus ihrem Regelsatz zu ergänzen. Dieser reicht jedoch an sich schon nicht zum Überleben.
Dabei kommen erhebliche Summen zusammen, mit denen, so muß man das sehen, die Erwerbslosen die Sozialbehörden subventionieren.
In Berlin, zum Beispiel, laut einer Schätzung der ver.di-Erwerbslosen:
„Kein Berliner Sozialpolitiker hat jemals darauf hingewiesen, dass allein 2011 auf diese Weise weit über 5o Mio. Euro von den erwerbslosen Mietern aus der Regelleistung, dem Zuverdienst (dem 1-Euro-Job !) oder dem letzten Ersparten dazugezahlt wurden.“ Quelle: pdf
Im Angesicht dieser Zahlen muß es wohl als Kollateralschaden gelten, wenn Einzelne unter dem Druck von Kostensenkungsaufforderungen tatsächlich wohnungslos werden.

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