Wohnstreik aktuell 5: Fasten

Heute ist der zweite Tag meiner speziellen Version des symbolischen Sichtfastens wegen Sanktionen des Jobcenters, siehe auch hier.
Da ich tatsächlich kein Geld mehr habe, gibt es auch nur wenige Möglichkeiten, mich tagsüber im Warmen aufzuhalten, und ich kann nicht wie sonst in einem Café sitzen oder im Internetcafé sein.
Nette Leute bieten mir etwas zu essen an, und nicht weiterzusagen, daß sie mich haben Essen sehen. Das ist total lieb, und zeigt eine Eigenschaft solcher Fasten-Aktionen, über die man vielleicht mal kurz was sagen muß:
Das Jobcenter interessiert sich ganz offensichtlich überhaupt nicht dafür, ob ich hungere oder esse (oder ob Sanktionierte überhaupt hungern oder essen). Anderenfalls bräuchten sie ja nicht sanktionieren. Das Gesetz ist schwammig genug, zu erlauben, daß nicht sanktioniert, wer nicht sanktionieren will.
Dasselbe gilt für den Gesetzgeber, auch diesen schert es nicht groß, ob Erwerbslose essen oder nicht.
Zunächst fühlen sich also in erster Linie diejenigen von der Fastenaktion angesprochen, die nicht sehen mögen, daß man hungert, die solidarisch sind, die gegen Sanktionen sind, und die mit einem selber befreundet sind.

Während der Sanktionshunger-Aktion von Ralph Boes habe ich selber als Unterstützerin die anderen Unterstützer dazu aufgerufen, die vorhandenen Sorgen um Ralphs Gesundheit nicht an ihn hinzutragen, sondern sich damit an das zuständige Jobcenter, an die Politik, an die Öffentlichkeit zu wenden.

Mir schien auf der Hand zu liegen, daß Ralph damit optimal unterstützt ist, nämlich in seinen Zielen unterstützt.
Heute, wo ich selber wegen Sanktionen faste, bin ich immer noch derselben Meinung.

Wer mich unterstützen möchte, den bitte ich, nach außen die Frage zu thematisieren, was Sanktionierte eigentlich essen sollen.
Den Biomüll von den Tafeln?
Sollen sie beim Jobcenter einen Lebensmittelgutschein beantragen? Welche Bedingungen sind da wieder daran geknüpft?
Wenn man Sanktionierten wegen ihrer Notlage Geld gibt, sind sie dann verpflichtet, es beim Jobcenter anzugeben, und wird es dann vom bereits gekürzten Regelsatz wieder abgezogen?
Wenn Sanktionierte schwarz arbeiten, um wenigstens was zu Essen zu haben, machen sie sich dann strafbar?
Welche Folgen hat regelmäßiges Fasten oder regelmäßige Mangelernährung für die Gesundheit von Sanktionierten?

Man kann eine Menge Fragen stellen. Wenn ich solche Fragen an mein Jobcenter stelle (was ich auch immer wieder mal tue), passiert gar nix.

Diese Fragen (und viele andere) müssen öffentlich gestellt werden, immer wieder. Das wäre für mich eine Unterstützung.

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