Solidarität mit Ralph Boes weiterhin notwendig

Der Grundeinkommens-Aktivist Ralph Boes befindet sich im sog. Staffelhungern.

Nachdem er selbst wegen einer Sanktion 43 Tage lang am Stück gehungert hat, hat er den Hunger wie eine Staffel an einen solidarischen Menschen übergeben, der es auch wieder an jemand anderen abgeben kann.

So kann das Sanktionshungern länger durchgehalten werden. Hätte Ralph alleine weiter gehungert, hätte es ja nur noch wenige Wochen dauern können, bis er gestorben wäre.
Eine Sanktion dauert jedoch drei Monate.

Ralph hat die Sanktion ganz offen selbst provoziert, und zwar unter anderem deswegen, weil er gegen Sanktionen klagen möchte. Vor dem Bundesverfassungsgericht, in Straßburg, in Den Haag, wo auch immer.
Dafür braucht er eine Sanktion.

Wegen der Sanktion hat er jetzt kein Geld, sich was zu essen zu kaufen. So sind die Sanktionen ja auch gedacht.

Vorurteil: Faule Erwerbslose
Eine hübsche Vorlage, um ein Vorurteil gegen Ralph Boes und andere Erwerbslose unter die Lupe zu nehmen, hat ein Blog namens „Projekt Jovialismus“ geliefert.

Dort wird behauptet, Ralph sei wie ein Mitbewohner in einer Vierer-WG, der sich weigert, den Abwasch zu machen.
Diese Argumentation führt einen gewaltigen blinden Fleck geradezu vorbildlich vor: Der Abwasch wird gleichgesetzt mit der „Arbeit“, welche Ralph verweigert. Damit wird unterstellt, die Zeitarbeit, die Niedriglohnjobs, die Tätigkeiten im Callcenter etc., die Ralph und den meisten anderen Erwerbslosen statt richtiger Arbeitsplätze aufgenötigt werden (sollen), seien damit vergleichbar, daß sich eine WG selbstbestimmt die Arbeit untereinander aufteilt, die unmittelbar den BewohnerInnen der WG zugutekommt.
Bei dem Beispiel wird augenfällig, daß es sehr wohl auch um den Inhalt der Arbeit geht, nicht nur darum, daß man seinen Lebensunterhalt selbst finanziert, um keine Sozialleistungen zu brauchen.

Es wird im Prinzip unterstellt, jede Arbeit, für die irgendwer bezahlt, sei alleine deswegen schon gemeinnützig.
Das ist natürlich Blödsinn. Mit etwas Glück nutzt die Arbeit demjenigen, der für sie bezahlt. Dies ist natürlich nicht gleichbedeutend mit einem Nutzen für die Allgemeinheit.
Was bringt es der Allgemeinheit, wenn jemand im Callcenter ungebeten Leute anruft, um ihnen Lottoscheine aufzuschwatzen? Wenn jemand in einem Atomkraftwerk arbeitet? Als Polizist Zwangsräumungen durchsetzt? Als Politiker dummes Zeug redet und gegen Erwerbslose hetzt, oder gegen andere Gruppen, mit denen man es scheinbar machen kann? Was bringt es der Allgemeinheit, wenn jemand Wegwerf-Verpackungen produziert, die eigentlich nur zum Wegwerfen gut sind? Wenn jemand Häuser luxussaniert? Wenn jemand nicht gebrauchte Autobahnen baut? Falsch geplante Flughäfen und Bahnhöfe? Wenn jemand Waffen produziert? Wenn jemand beruflich Waffen in Krisengebiete verkauft?
Ganz ehrlich, die Allgemeinheit käme mittelfristig weit billiger weg, wenn wir all diesen Berufstätigen stattdessen vernünftige Sozialleistungen finanzieren würden!

Die Gleichsetzung der Idiotenjobs, deren Ausführung mit Recht nur mit erheblicher Gewaltanwendung gegen Erwerbslose (Sanktionen; Medienhetze) durchgesetzt werden kann, mit dem Abwasch einer WG ist fehlerhaft, aber ein typischer Fehler.

Angenommen, es sei aber nicht so, und die Tätigkeiten, die mit Sanktionen erzwungen werden sollen, seien unstreitig vollkommen gemeinnützig. Dürfte der Staat uns dann vor die Alternative stellen: Mach diesen Job oder hungere?
Ich weiß, viele würden diese Frage mit „ja“ beantworten, und damit auch ihre eigen Freiheit von Zwangsarbeit wegwerfen, für das billige Vergnügen, anderen Vorschriften zu machen und auf Schwächeren rumzuhacken. Das ist jedoch saudumm und schwer gemeinschädlich.

Weitere Argumente gegen die Argumente der Sanktionsbefürworter hier.
Früherer Wohnstreik-Aufruf zur Solidarität mit Ralph hier.

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